Radiofrequenzablation (HALO®)

Grundlagen

Die Radiofrequenzablation (HALO®) ist eine moderne Methode zur Behandlung von Barrett Ösophagus . Der Barrett Ösophagus wird entfernt, die Speiseröhre bleibt erhalten. Barrett Ösophagus entsteht durch Reflux und ist eine Krebsvorstufe.

Die Radiofrequenzablation erlaubt die Entfernung der Barrett Schleimhaut und verhindert damit die Krebsentstehung. Die Radiofrequenzablation wird im Rahmen einer Endoskopie der Speiseröhre durchgeführt. Die Radiofrequenzablation entfernt das Krebsrisiko ( Barrett Ösophagus ) aber nicht die Ursache, den Reflux . Dieser kann mit einer erfolgreichen Operation gegen Reflux ( Fundoplikatio ) entfernt werden.

Anwendung

Die Radiofrequenzablation (HALO®) verwenden wir zur Entfernung von Barrett Ösophagus ohne und mit schweren Gewebeveränderungen (Dysplasien). Größere Schleimhautläsionen werden zuvor mittels endoskopischer Schleimhautresektion ( Mukosaresektion ) entfernt. Danach erfolgt die Radiofrequenzablation .

Gegenanzeigen

Blutgerinnungsstörung ,
Herzerkrankung ,
Kreislauferkrankung ,
Lebererkrankung ,
Diabetes ,
Bindegewebserkrankungen ,
Schwangerschaft ,
Krampfadern in der Speiseröhre (Varizen) .

Vorbereitung

Zur Radiofrequenzablation (HALO®) kommen Sie nüchtern (6 Stunden nichts essen, 4 Stunden nichts trinken). Die Untersuchung wird in Allgemeinnarkose durchgeführt. Dabei erhalten Sie Medikamente, die Herz, Kreislauf und Blutdruck beeinflussen. Die Einnahme der Morgenmedikamente richtet sich nach dem Zeitpunkt der Behandlung.

Radiofrequenzablation am Vormittag bis 12 Uhr Mittag:
Nehmen Sie in der Früh keine Blutdruckpulver und Herztabletten. Magensäureblocker, Hormonpräparate (Schilddrüsenhormone, Pille) und Vitamintabletten können eingenommen werden.
Radiofrequenzablation am Nachmittag nach 12 Uhr Mittag:


Alle Morgenmedikamente können eingenommen werden.
Keine Gerinnungsmedikamente vor der Radiofrequenzablation einnehmen (Marcoumar, Thrombo Ass).

Behandlung

Die Radiofrequenzenergie wird über einen Behandlungsballon (HALO 360) oder ein Behandlungsplättchen (HALO 90, HALO 60) auf die Schleimhaut aufgebracht und diese damit verbrannt. Die Behandlung wird in Allgemeinnarkose und Rückenlage durchgeführt und dauert 20 min. Nach der Radiofrequenzablation erfolgt eine Behandlung mit einem Magensäureblocker . Die Kontrolle ( Endoskopie ) erfolgt 2-3 Monate nach der Radiofrequenzablation .

HALO® Technologie
Generator:

dieser erzeugt die Radiofrequenzenergie. Alle Behandlungswerkzeuge (HALO® 360, 90, 60) werden an den Generator angeschlossen. Zusätzlich benötigt man ein Endoskop, weil die Behandlung unter endoskopischer Sicht erfolgt.

HALO® 360:

das ist ein Ballonelektrodenkatheter. Auf der Spitze vom Katheter befindet sich ein Ballon. Seine Oberfläche ist mit Elektroden beschichtet, über welche die Radiofrequenzenergie an die Schleimhaut abgegeben wird. Der Ballon Katheter wird in nicht aufgeblasenem Zustand unter endoskopischer Sicht in die Speiseröhre eingebracht und in Höhe der zu behandelnden Schleimhaut platziert. Dann wird er aufgeblasen, die Elektroden berühren die Schleimhautoberfläche. Nun erfolgt die Abgabe der Radiofrequenzenergie. Der Durchmesser des Behandlungsballons wird zuvor mit dem Messballon ermittelt. Mit HALO 360 wird die komplette Zirkumferenz der Speiseröhre behandelt (Ballonelektrodenlänge 3 cm).

HALO® 90:

das ist ein mit Elektroden beschichtetes Plättchen (Plättchenelektrode). Es wird auf die Spitze vom Endoskop aufgebracht. Endoskop und Plättchen werden in die Speiseröhre zu dem zu behandelnden Schleimhautareal vorgeschoben. Das Plättchen wird unter endoskopischer Sicht an die Schleimhaut gedrückt und die Radiofrequenzenergie abgegeben. So werden kleine Barrett Schleimhautareale verbrannt.
HALO® 60: funktioniert wie HALO® 90, nur ist das Plättchen um 1/3 kleiner als HALO® 90. Mit HALO® 90 werden ganz kleiner Barrett Schleimhautareale behandelt.

Behandlungsschritte

HALO®360:

Nach Bestimmung der Länge des zu behandelnden Schleimhautareals wird über einen Führungsdraht der Messballon eingebracht und der Durchmesser der unteren 12 cm der Speiseröhre erhoben. Der kleinste gemessene Durchmesser ergibt die Größe des Behandlungsballons (18, 22, 25, 28 oder 31 mm). Nun werden der nicht aufgeblasene Behandlungsballon und das Endoskop in die Speiseröhre eingebracht. Der Behandlungsballon wird in Höhe des zu behandelnden Schleimhautareals platziert. Unter endoskopischer Sicht wird der Ballon aufgeblasen und die Radiofrequenzenergie an die Schleimhaut abgegeben. Danach wird die verschorfte Schleimhaut mit einer auf das Endoskop aufgebrachten Plastikkappe abgeschoben und die Behandlung wiederholt.
HALO® 90: Die Plättchenelektrode wird auf die Spitze vom Endoskop aufgebracht, in die Speiseröhre zur zu behandelnden Schleimhautstelle gebracht. Unter endoskopischer Sicht wird die Plättchenelektrode auf die Schleimhaut gedrückt und die Radiofrequenzenergie an die Schleimhaut abgegeben. Danach wird die verschorfte Schleimhaut mit dem Plättchen abgeschoben und die Behandlung wiederholt.
HALO® 60: die Behandlung funktioniert wie bei HALO® 90.

Ergebnis

2-3 Monate nach der Radiofrequenzablation ist in 70% der Fälle kein Barrett Ösophagus mehr nachweisbar. In 30% der Fälle sind 2-3 weitere Behandlungen (meist mit HALO® 90 oder HALO® 60) notwendig. Nach 5 Jahren ist in 92% der Fälle kein Barrett Ösophagus mehr nachweisbar. In 8% ist eine neuerliche Radiofrequenzablation notwendig.
Studien zeigten, dass Radiofrequenzablation die Entstehung von Speiseröhrenkrebs verhindern kann. Damit ist die Radiofrequenzablation der Beobachtung (Surveillance) überlegen. Untersuchungen zeigten, dass eine Operation gegen Reflux (Fundoplikatio) die Erfolgsrate nach Radiofrequenzablation von 70% auf 95% steigert. Gerne sprechen wir mit Ihnen über die Möglichkeiten der Behandlung von Barrett Ösophagus und Reflux.

Nebenwirkungen

Die Radiofrequenzablation ist eine sehr sichere Methode. Nach über 90.000 Anwendungen weltweit kam es in nur 0.2% der Fälle zu Komplikationen (Nachblutung, Perforation, Ringnarbenbildung in der Speiseröhre). Die Radiofrequenzablation hat keine Auswirkung auf die Funktion der Speiseröhre.

Expertenrat

Prof. Dr. Martin Riegler (Chirurg, Wien):
Unsere Patienten/Innen haben Angst vor Speiseröhrenkrebs . Das beeinträchtigt die Lebensqualität unserer Patienten/Innen. Die Radiofrequenzablation ist eine wirksame und sichere Methode zur Entfernung der Krebsvorstufe Barrett Ösophagus . Die erfolgreiche Ablation stoppt den Weg zum Krebs. Damit ist das Krebsrisiko gebannt. Die Speidseröhre bleibt erhalten und muss nicht, wie beim Krebs, entfernt werden. Wir sind dankbar, dass uns heute so eine wirksame Methode zur Bekämpfung vom Speiseröhrenkrebs zur Verfügung steht.

Prof. Dr. Sebastian Schoppmann (Krebschirurg, Wien):
Speiseröhrenkrebs bedeutet Leid, Schmerzen, kaum Lebensqualität. Die Behandlung (Operation, Chemotherapie) ist aufwendig, mit Nebenwirkungen verbunden, und auch extrem teuer. Krebs bedeutet, dass die Patienten/Innen Ihre Speiseröhre verlieren. Tatsache ist, dass die Radiofrequenzablation eine sichere und wirksame Methode zur Entfernung der Krebsvorstufe Barrett Ösophagus darstellt. Studien zeigten, dass Radiofrequenzablation die Krebsentstehung verhindern kann. Also warum warten bis der Barrett Ösophagus zum Krebs wird? Das ist der Grund warum ich meinen Patienten/Innen die Radiofrequenzablation bei Barrett Ösophagus empfehle.

Literatur

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